Vermehrung
Die Vermehrung von Bambus läßt sich auf verschiedene Art und Weise vollziehen. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile und sollte demzufolge den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Möchte man zum Beispiel möglichst schnell eine schon große und ansehnliche Pflanze erhalten, muss die Teilung als Vermehrungsmethode herangezogen werden. Hierbei hat das gewonnene Teilstück dieselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. Besondere Vorsicht sollte man beim Erwerb von Bambus aus Meristemvermehrung walten lassen. Es ist dabei zu beobachten, dass besonders die leptomorphen Bambussen zu einem nicht arttypischem Wuchs neigen. Sie wachsen eher dicht und buschig wie eine Fargesie und zeichen sich durch viele dünne Halme aus. Auf spektakuläre Halme im Hinblick auf Farbe und Dicke wartet man dann vergeblich. Leider sind diese Pflanzen beim Kauf nicht gekennzeichnet, so dass sie für einen Laien nur schwer zu erkennen sind. Von Vorteil erweist es sich in Anbetracht diese Sachverhaltes Bambus dort zu erwerben, wo man die Mutterpflanze auch begutachten kann.
Rhizomvermehrung
Die Rhizomvermehrung läßt sich am besten bei leptomorphen Bambussen anwenden, da diese im Gegensatz zu den pachymorphen Bambussen, die Fähigkeit besitzen, größere Mengen an Kraftreserven in die Rhizome einzulagern. Darüberhinaus sitzen an den Rhizomen Knospen und Wurzelanlagen, die für die weitere Entwicklung gebraucht werden.
Die Vermehrung durch Rhizomstücke wird mit dem größten Erfolg im Frühjahr, kurz vorm Austrieb, durchgeführt. Dazu nimmt man ein bewurzeltes Teilstück mit mindestens drei Knospen und legt es in durchlässigen Boden. Nach einiger Zeit, warme Temperaturen vorausgesetzt, zeigen sich die ersten Sprossenspitzen. Zwar läßt sich die Rhizomvermehrung auch im späteren Jahresverlauf durchführen, doch sind die Erfolgsaussichten weitaus geringer.
Meristemvermehrung
Die Meristemvermehrung kommt dann zum Tragen, wenn man einen Bambus innerhalb kürzester Zeit und sehr kostengünstig vermehren möchte. Zunächst werden Halmabschnitte und Seitentriebe mit Achselknospen von ausgesuchten Mutterpflanzen selektiert und sterilisiert. Danach gelangen diese in ein Reagenzglas, welches mit einem Nährboden bestückt ist. Der Nährboden besteht hauptsächlich aus Zytokinine, einem Wachstumshormon, welches die Verzweigung fördert. In der nächsten Phase wird den kleinen "Bambuspflanzen" ein Wurzelhormon (Auxine) verabreicht, um die Wurzelbildung anzuregen.
Ist diese Phase beendet, schließt sich die Phase der Abhärtung an. Die jungen "Bambuspflanzen" werden in ein Gewächshaus gebracht und müssen einen Abhärtungsprozess über sich ergehen lassen. Hierbei lernen sie, ihren Energiehaushalt selber zu regeln. Sukzessive wird das Gewächshaus geöffnet, damit sich bei den Pflänzlein die Regulation des Wasserhaushaltes einstellen kann. Nach der Gabe von weiteren Stimulanzien werden die jetzt 10 cm großen Bambuspflanzen an Aufzuchtbetriebe ausgeliefert.
Vermehrung durch Stecklinge
Die Vermehrung durch Stecklinge kann nur bei einigen tropischen Bambussen zur Anwendung kommen. Da bei diesen Bambussen Wurzelanlagen in den Achselknospen vorhanden sind. Dies ist bei Bambussen, die in gemäßigten Zonen wachsen nicht so. Bei der Stecklingsvermehrung werden Halmstücke mit einer oder besser mehreren Achselknospen horizontal in die Erde gelegt. Neue Halme und Wurzeln bilden sich nun aus den Achselknospen.
Vermehrung durch Aussaat
Die Vermehrung durch Aussaat stellt sich teilweise problematisch dar, birgt aber auch Chancen. Zunächst sind es die langen Blühphasen (ca. 80 bis 120 Jahre) bei manchen Sorten, die einen kaum den Samen bekommen lassen, den man gerne haben möchte. Andere Sorten blühen häufiger, manche sogar jährlich, doch bilden sich nach der Blüte kaum Samen und wenn, dann sind sie oftmals taub. Fazit: Es ist schwer, an keimfähigen Samen zu kommen.
Ein weiterer Aspekt entpuppt sich je nach Betrachtungswinkel als Problem oder Chance. Die Nachkömmlinge unterscheiden sich stark von der Mutterpflanze. Diese Unterschiede treten auf den Ebenen des Wachstums (Höhe, Halmdicke, ...), aber auch im Farbschema (Halm- und Blattfarbe) auf. Es ist also eine Art Lotterie ob man einen schönen Sämling bekommt oder nicht. Auf jeden Fall hat die Blüte den Bambussammlern bisher eine Vielzahl neuer Bambusvariationen gebracht. Vielleicht blühen ja demnächst einmal zwei Sorten zur gleichen Zeit und eröffnen uns die Möglichkeit zu Kreuzungen, um so zu neuen Sorten zu kommen. Nachteilig bei der Aussaat von Bambussamen ist es, dass eine geraume Zeit verstreicht bis man zu einer vorzeigbaren Pflanze kommt.
Vermehrung durch Teilung
Eine Möglichkeit der Vermehrung von Bambus in unseren Breitengraden ist die Teilung. Sie wird am besten im zeitigen Frühjahr durchgeführt. Beachtung sollte die Wetterlage finden, denn ein bedecktes und regnerisches Wetter läßt die Pflanze besser über den Teilungsschock hinweg kommen. Ungünstig wäre eine sonnige und warme Wetterlage bzw. Frost.
Ist die Mutterpflanze getopft oder noch klein, kann der Wurzelballen mit Wasser ausgespült werden. Hierdurch lassen sich die vorteilhaften Schnittstellen für die Teilung besser erkennen. Bei größeren Bambuspflanzen ist die Verwendung von schwerem Werkzeug (Rodespaten, Beil, Holzspalter, ...) unablässlich, denn nicht selten geht bei der Bearbeitung des Wurzelballens/Rhizomgeflechts ein Werkzeug entzwei.
Die so gewonnenen Teilstücke werden nun getopft bzw. an eine dafür vorgesehene Stelle gepflanzt. Dabei muss die Blattmasse in einem ausgewogenen Verhältnis zu den Wurzeln stehen. Als Faustregel gilt, dass man die Blattmasse um ein Drittel reduziert. Dies kann entweder durch Einkürzung des Halmes oder durch Entfernen von Seitenästen passieren. Vorteilhaft ist es, wenn die Töpfe nun an einen schattigen Platz gestellt werden. Teilstücke, die sofort an eine neue Stelle gepflanzt werden, sollten schattiert werden. Unbedingt ist das Substrat feucht zu halten. Der Einsatz eines Wurzelhormons fördert die schnelle Durchwurzelung des Topfes bzw. des Pflanzloches.
Auf gar keinen Fall darf es bei der Bambusteilung zu einer Veralterung der Pflanze kommen. Dies geschieht immer dann, wenn die fortlaufenden Rhizome abgetrennt werden. Hiermit nimmt man dem Bambus seine vitalsten Rhizome und der alte Wurzelstock, der im Laufe der Zeit ermüdet, bleibt bestehen. Es ist also von Vorteil, wenn man immer ältere Pflanzenteile absticht und die neueren Teile stehen/laufen läßt. Dies führt dann zu einem "Wandern" des Bambusses in einem ihm zugewiesenen Bereich. Dies sollte man bei der Pflanzung gleich mit einplanen.

